Die Parallele Klangreihe



Es gibt Akkorde, die lassen sich - wenn man die "Umkehrungen" mit einbezieht - in allen Intervallabständen so nebeneinanderstellen, daß bei der Klangfortschreitung zwischen den einzelnen Töne nur Prim- und Sekundintervalle auftreten (siehe etwa die Skriptumblätter über die möglichen Klangverbindungen bei pentatonischen Akkorden oder bei kleinen Septakkorden). Die Richtigkeit läßt sich vorzüglich nachweisen, wenn man als Ausgangs-Zwölftonreihe eine Allintervallreihe heranzieht, denn dort treten alle möglichen Intervallabstände auf. Die Parallelführung von Zwölftonreihen im Abstand solch geeigneter Akkorde läßt sich so umnotieren, daß das Charakteristikum des Klangreihenprinzips, nämlich das ausschließliche Auftreten von Prim- und Sekundintervallen bei der Akkordfortschreitung, in Erscheinung tritt.




Parallele Klangreihe im Abstand des pentatonischen Klanges:


Die fünf in jenem Abstand geführten parallelen Zwölftonreihen (Allintervallreihen)


Zwölftonreihe:


gis


h


c


e


a


dis


cis


b


f


g


fis


d
 
Zwölftonreihe:fisabdgcishasesfec 
Zwölftonreihe:disfisgheaisgisfcdcisa 
Zwölftonreihe:cisefadgisfisesbchg 
Zwölftonreihe:hdesgcfisedesasbaf 

             
123456789101112


sehen als Klangreihe notiert (siehe Skriptumblatt) folgendermaßen aus:


Zwölftonreihe:


h


d


es


g


c


fis


e


des


as


b


a


f
 
              
Klangreihe:gisabaaaishbbbaa 
 fisfisggggisgisasasgfisg 
 disefeefisfisfffef 
 cisdesdddiseesesdcisd 
 hhchcciscisdescchc 

             
:Klangreihenakkord Nr.:123456789101112


[Anmerkung: Auf dieser Klangreihe beruht der 1. Abschnitt des "Kyrie" aus der Missa "Adoramus te", op. 21, von Johann Sengstschmid. Die Kompositionstechnik mit Parallelen Klangreihen läßt sich an den Analysebeispielen zu Sengstschmids Scherzo für Blockflötenquartett, op. 28, (Trio: dreistimmiger Satz ohne Verwendung von Reminiszenztönen) sowie zu dessen "Ave regina caelorum", op. 19a, der Missa "Adoramus te", op. 21, Kyrie-Beginn und Et incarnatus est (jeweils ein dreistimmiger Satz mit Verwendung von Reminiszenztönen) und zur "Kleinen Festmusik für Bläser", op. 30, Ende des 3. Satzes (vielstimmiger Satz ohne Verwendung von Reminiszenztönen) nachvollziehen.]




Parallele Klangreihe im Abstand des kleinen Septakkordes:


Die vier in jenem Abstand geführten parallelen Zwölftonreihen


Zwölftonreihe:


a


e


fis


cis


es


b


f


h


as


d


c


g
 
Zwölftonreihe:fiscisdisaiscgdgisfhae 
Zwölftonreihe:dahfisasesbedesgfc 
Zwölftonreihe:hfisgisdisfcgcisbeda
              
: 123456789101112


sehen als Klangreihe notiert (siehe Skriptumblatt) folgendermaßen aus:


Zwölftonreihe:


h


fis


gis


es


f


c


g


cis


b


e


d


a
              
Klangreihe:aagisbasbbhbhcc 
 fisfisfisgesfgggisasgaa 
 dedisesesesfefefg 
 hcishdesccdcisdesdde 

             
:Klangreihenakkord Nr.:123456789101112


[Anmerkung: Auf dieser Klangreihe beruht der A-Teil des "Scherzos für Blockflötenquartett" (Saxophonquartett , op. 28, von Johann Sengstschmid. Eine Notenausgabe war im Handel erhältlich und ist vergriffen; siehe Internet-Notenwiedergabe.]




Parallele Klangreihe im Abstand des "hartverminderten Septakkordes" (bzw. des "einfach übermäßigen Terzquartakkordes"):


Richard Stöhr bezeichnet in seiner Harmonielehre den Vierklang g-h-des-f als "hartverminderten Septakkord" und die durch enharmonisches Verwechseln erzielte Umkehrung g-h-cis-eis als "einfach übermäßigen Terzquartakkord"; es finden sich dafür aber auch andere Bezeichnungen (Harald Brantner etwa.nennt ihn in seinem Akkordlexikon "Dur-Sept-Akkord mit verminderter Quinte").

Die vier in jenem Abstand geführten parallelen Zwölftonreihen


Zwölftonreihe:


es


cis


g


f


a


gis


d


b


e


fis


c


h
 
Zwölftonreihe:haesdesfebgescdasg 
Zwölftonreihe:agcishdisdgisebcfisf 
Zwölftonreihe:fesaghbecgesasddes

             
123456789101112


sehen als Klangreihe notiert folgendermaßen aus:


Zwölftonreihe:


f


es


a


g


h


b


e


c


ges


as


d


des
              
Klangreihe:es esff e e ddes 
 h cisdeses d c ch 
 a ahh b b asg 
 f gga as ges gesf 

             
:Klangreihenakkord Nr.:1 234 5 6 78


[Anmerkung: Auf dieser Klangreihe beruhen die Takte 1 bis 14 des Klavierstückes "Gruß an Walter Sachs", op. 35, von Johann Sengstschmid.]




Parallele Klangreihe im Abstand des Durdreiklanges:


Die drei in jenem Abstand geführten parallelen Zwölftonreihen


Zwölftonreihe:
fisabdgcishasesfec 
Zwölftonreihe:disfisgheaisgisfcdcisa 
Zwölftonreihe:hdesgcfisedesasbaf 

             
123456789101112


sehen als Klangreihe notiert folgendermaßen aus:


Zwölftonreihe:


h


d


es


g


c


fis


e


des


as


b


a


f
 
              
Klangreihe:fisfisgggaisgisasasbaa 
 disdesdefisefesfef 
 habhccishdescdcisc 


oder:


Zwölftonreihe:


h


d


es


g


c


ges


e


des


as


b


a


f
 
              
Klangreihe:fisfisggggesefesfef 
 disdesdedeshdescdcisc 
 habhcbgisasasbaa 


[Anmerkung: Zum Unterschied zwischen den Intervallen der übermäßigen Sekund und der kleinen Terz siehe das Skriptumblatt
"Prim-/Sekundzusammenhänge bei Dreiklangsfolgen".]




Parallele Klangreihe im Abstand des Molldreiklanges:


Die drei in jenem Abstand geführten parallelen Zwölftonreihen


Zwölftonreihe:
fisabdgcishgisdisfec 
Zwölftonreihe:dfgesbesagehdescas 
Zwölftonreihe:hdesgcfisecisgisbaf 

             
123456789101112


sehen als Klangreihe notiert folgendermaßen aus:


Zwölftonreihe:


h


d


es


g


c


fis


e


cis


gis


b


a


f
 
              
Klangreihe:fisfgesggaggisgisbaas 
 ddesdesfiseedisfef 
 habbccishcishdescc 


oder:


Zwölftonreihe:


h


d


es


g


c


fis


e


cis


gis


b


a


f
 
              
Klangreihe:fisfgesggfiseedisfef 
 ddesdescishcishdescc 
 habbcaggisgisbaas 


[Anmerkung: Zum Unterschied zwischen den Intervallen der übermäßigen Sekund und der kleinen Terz siehe das Skriptumblatt
"Prim-/Sekundzusammenhänge bei Dreiklangsfolgen".]




Hinweis auf die Möglichkeit des Zwölftonmelos:

Parallele Klangreihen wie die oben angeführten besitzen entweder 5 mal 12, 4 mal 12 oder 3 mal 12 Töne; jeder Ton kommt also gleich oft vor. Somit können aus diesem 60tönigen bzw. 48tönigen oder 36tönigen Vorrat 5 bzw. 4 oder 3 verschiedene, gleichzeitig erklingende Zwölfton-Reihenmelodien übereinandergestellt werden.





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Weiterführende Informationen siehe:

Klangreihenmusik (Gesamtüberblick)

Johann Sengstschmid
"Ave regina caelorum", op. 19a, von Johann Sengstschmid, Werkeinführung
Analyse des "Ave regina caelorum", op. 19, von Johann Sengstschmid
MISSA "ADORAMUS TE", op. 21, von Johann Sengstschmid, Werkeinführung
Analyse: aus der MISSA "ADORAMUS TE", op. 21, von Johann Sengstschmid
Scherzo für Blockflötenquartett, op. 28, Werkeinführung
Analyse des "Scherzos", op. 28, von Johann Sengstschmid
Kleine Festmusik für Bläser, op. 30, Werkeinführung
Analyse der "Kleinen Festmusik für Bläser", op. 30, von Johann Sengstschmid

Publikationshinweise (Noten)
Notenverzeichnis
Verzeichnis der Skriptumblätter

Fachbegriffe (Stichwortverzeichnis)
Zwölftonreihe
Allintervallreihe

Zwölftonmelos

Zwölfton-Reihenmelodien (Entstehungstechniken)

Reminiszenztöne
Allgemeines zur Klangreihe
Prim-/Sekundzusammenhänge bei Klangfolgen

Allgemeines zur Klangreihen-Kompositionstechnik
Der dreistimmige Satz ohne Reminiszenztöne (Parallele Klangreihen)
Der dreistimmige Satz mit Reminiszenztönen (Parallele Klangreihen)
Der vierstimmige Satz ohne Reminiszenztöne (Parallele Klangreihen)
Der vielstimmige Satz ohne Reminiszenztöne (Parallele Klangreihen)


Links

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