Othmar Steinbauer:
Sonate für Clavicembalo oder Orgelpositiv, Werk 16

 


Vorbemerkung:
 
Für diese 1944 entstandene viersätzige Sonate gilt bezüglich Form und Intention (Wiederbelebung der "Sonata da chiesa") etwas Ähnliches wie das im Zusammenhang mit seiner 1. Violinsonate Gesagte.


Zeitschriften-Echo:


Das "LINZER VOLKSBLATT" vom 2. Juni 1964 schreibt unter dem Titel "Zeitgenössische Sonate im Geiste Bachs" unter anderem:
 
... Der Beginn des ersten Satzes mit einem Dreiklang und die weitere Entwicklung läßt ebenso an eine chromatische Komposition von Bach denken wie der zweistimmige zweite Satz an einen lebhaften Suiten-Satz des Großmeisters. Eine harmonische Wirkung im Sinne der "Klangreihen-Kompositionen" als Abart der 12-Ton-Technik erreichte der 3. Satz, ein Andante. Mit großen polyphonen Tönen sind die folgende Passacaglia und das Finale als "Wechsel-Fuge" gearbeitet. Der zu Unrecht wenig aufgeführte Wiener Komponist hat die Sonate als echte Cembalomusik geschaffen, die sich nicht, wie so manches andere zeitgenössische Werk, bloß durch das Spiel auf dem alten Tasteninstrument statt auf dem Klavier interessant machen will.
 


J. U.



In der Zeitschrift "Singende Kirche", Wien, 35. Jahrgang, Heft 3, erschien die folgende Besprechung von Hans Haselböck:
 
Steinbauer, von Joseph Marx und Arnold Schönberg ausgebildet, war Musiktheoretiker, Geiger und Pädagoge. Mit seinem Buch "Das Wesen der Tonalität" rückte er von den Lehren Schönbergs ab und wandte sich Josef Matthias Hauer zu. In den Jahren von 1931 an bis zu seinem Tod (1962) versuchte er sich an einer eigenen Kompositionslehre. Die Sonate Werk 16 (Steinbauer hinterließ insgesamt 31 von ihm bezeichnete Werke) muß 1944/45 entstanden sein. Der Komposition liegt eine Zwölftonreihe zugrunde, die auch in ihren Permutationen vorkommt. Das ernsthafte Werk, das große Ruhe ausstrahlt und insbesondere in der "Wechselfuge" bemerkenswerte Dichte in seiner musikalischen Aussage erreicht, stellt seine Kompositionsprinzipien nirgends demonstrativ in den Vordergrund, sondern läßt manches an kompositorischen Techniken höchstens ahnen. Das Wort von Hanslick von der Musik als "tönend bewegter Form" kommt einem in den Sinn bei diesem Stück, das ähnlich wie Hauers Werke abseits von den Stilismen der Musik unseres Jahrhunderts angesiedelt ist und eine Auseinandersetzung lohnt.

Siehe auch: publizierte Kompositionen, ausschnittweise Notenwiedergabe, Werkeinspielungen ()






Weiterführende Informationen in Wort und Ton: siehe Links


siehe auch:

Erinnerung an Steinbauer (mit Angaben zur Entstehung der Cembalosonate)
Klangreihenmusik (Gesamtüberblick)
Klangreihenmusik (weiterführende Links)
Neue Wege besinnlicher und geistlicher Musik

Klangreihenmusik: Musik mit neuer "Antriebskraft"
Elemente der Renaissance- und Barockmusik in der Klangreihenmusik
Werkeinführung zu Steinbauers Violinsonate Nr. 1
Stichwortverzeichnis

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