Mag. Johann Sengstschmid, Prof. i. R.
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A-3100 St. Pölten
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... damit dieses eine wohlklingende Harmonie gebe
zur Ehre Gottes und zulässiger Ergötzung des Gemüts
und soll wie aller Musik ... Finis und Endursache anders nicht,
als nur zu Gottes Ehre und Recreation des Gemüths sein.
Wo dieses nicht in acht genommen wird,
da ist's keine eigentliche Musik
sondern ein teuflisches Geplärr und Geleyer.


(J. S. Bach)
 



Wir fordern, daß die Schönheit
in ihre uralten Rechte wiedereingesetzt wird.


(Jörg Mauthe / Günther Nenning,
aus dem "Schönheitsmanifest", 1984)



Hinweis auf die Klangreihenmusik

Eine der Harmonie und Klangschönheit verpflichtete
zeitgemäße Musikrichtung




Bis vor hundert Jahren war es in der europäischen Musik eine Selbstverständlichkeit, sich der jeweils vorherrschenden zeitgenössischen Musiksprache zu bedienen.

Zur Barockzeit etwa hatte man kein Bedürfnis, Renaissancemusik zu spielen, und der Beethovenzeit waren Barockkompositionen oder gar außereuropäische Werke
fremd. Überhaupt bestand das frühere Musikleben normalerweise darin, Werke für den aktuellen Bedarf oder Auftragswerke, jedenfalls also Werke lebender Komponisten, aufzuführen. Aus damaliger Sicht "alte Musik" brachte man nicht zu Gehör; sie zu kennen oder gar studieren zu können, das war wenigen Eingeweihten vorbehalten.

Erst als die sogenannte "klassische" Musik sich immer weit
er vom Harmonischen entfernte und solcherart in einen elitären Elfenbeinturm hineingeriet, erlosch unaufhaltsam die allgemeine Liebe zur zeitgenössischen Klangwelt. Der Glaube, daß heutiges Tönen überhaupt schön sein könne, ging dem Menschen verloren, und der Schwerpunkt des Musiklebens verlagerte sich auf Traditionen vor 1900. Aber auch die Reize afro-amerikanischer oder asiatischer Einflüsse wurden entdeckt, was zu einer teilweisen Einbuße europäischer Identität zugunsten überseeischen Zivilisationsempfindens, orientalischer Meditationsvorlieben u.ä. führte.

Gäbe es heutzutage eine zeitgenössische "klassische" Musik, die endlich wieder klangschön ist und dabei eine aus europäischer Tradition erwachsene heutige Musiksprache spricht, also kein 150. Aufguß eines Händel oder Schubert, eines Richard Strauss oder eines Carl Orff ist ("epigonaler Abklatsch traditioneller Ausdrucksweisen mit falschen Tönen, aufgepfropften afro-amerikanischen Rhythmen oder mit computererzeugten Klangfarben"), dann wäre das ein ganz wichtiger identitätsfördernder Zukunftsimpuls: Sie würde zur Rückgewinnung der Hörerschar und damit zur Hebung des Musiklebens, des Kulturstandards, ja der ganzen Lebensqualität beitragen, denn die Existenz einer wohlklingenden heutigen Musik würde zu einem Angelpunkt der Erneuerung wertbestimmten Lebens.

Schön wäre es. Nein, schön ist es! Es gibt bereits eine solche Musik: die Klangreihenmusik.

Weithin unbemerkt wuchs sie in den letzten etwa 70 Jahren in wohlklingender Tonsprache heran, nachdem - brückenschlagend zwischen traditioneller und klangreihenbezogener Akkordwelt - die gemeinsamen harmonischen Klanggesetze erkannt worden waren.

Diese Klangreihenmusik also - die "andere" Zwölftonmusik - ist harmonisch.

Sie klingt wohltönend und unverkrampft wie die herkömmliche "klassische" Musik (dafür ein Beleg), geht aber nicht wie jene von siebenstufigen Tonleitern aus, sondern beruht auf allen zwölf Tönen.

Zwölftönigkeit - in rechter Weise eingesetzt - muß nicht entsetzliches Getön gebären. Wer sich um 7.000 Währungseinheiten etwas Schönes kaufen kann, der bleibt in der Lage, auch um 12.000
noch etwas Schönes zu erhalten; warum soll das in der Musik anders sein? Nach welcher Logik vermag nur Siebentönigkeit eine harmonische Musik zu ermöglichen, während das um fünf Töne reichere Tonmaterial zum Gegenteil führt? Es kommt eben auf die rechte Handhabung an.

Marcel Reich-Ranicki stellte einmal im "Literarischen Quartett" pointiert fest, Musikkritiker schrieben allenfalls über Stockhausen, legten aber daheim zur späten Stunde eher Brahms auf den Plattenteller, und wenn man sich sonst unter kulturell Interessierten umhört, dürfte man selten jemanden finden, der seine Seele bei serieller Musik baumeln läßt.

Wie bereits angedeutet, gibt es im 20. und 21. Jahrhundert - wenn auch weitgehend unentdeckt - dank der Klangreihenmusik ein harmonisches Tönen, das sich zur "Recreation des Gemüths" eignet.

Klangreihenmusik ist eben "normale" Musik, der man zutrauen kann, (frei nach Mozart) dem Laien zu gefallen und den Fachmann zu interessieren. Damit befindet sie sich jedoch zwischen allen nur denkbaren Stühlen:


-

Das "Normalpublikum" hat mit härterklingender moderner Musik bereits so viele Ohren-unfreundliche Erfahrungen gemacht, daß es ungeprüft von vornherein ablehnend reagiert, wenn etwas Zwölftöniges angekündigt wird.

-

Den modernen frei-tonal geprägten Komponisten ist Klangreihenmusik suspekt, da sie sich an einer zwölftönigen Satzlehre orientiert; sie aber wollen sich an gar keine Grundlage gebunden fühlen, sondern über das Tonmaterial in jeder Hinsicht freizügig und willkürlich verfügen.

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Den zwölftönigen sowie avantgardistischen Komponisten, denen ein dissonantes Klangbild zeitadäquat erscheint, ist Klangreihenmusik ob ihres harmonischen Klangbildes zu kulinarisch, zu ästhetisch schön und paßt somit zu wenig in unsere Zeit.

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Und für die esoterisch gesinnten Hauer-"Apostel", welche im "Glasperlenspiel"-artigen (Hermann Hesse) Zwölftonspiel mit seiner Ablehnung des künstlerischen Kompositionsaktes das "Nicht-Tun" (Lao-Tse) realisiert sehen, stellt Klangreihenmusik ein Rückfall in überwunden geglaubte alte Kunstanschauungen dar.


Die allgemeine Meinung hat es also längst aufgegeben, eine wohlklingende Harmonie im zeitgenössischen Kompositionsschaffen zu erwarten, und es ist kaum in das Bewußtsein der meisten Musikexperten gedrungen, daß es nicht bloß eine
einzige, sondern vielmehr DREI WIENER ZWÖLFTONSCHULEN gibt, die sich in Klangbild und Melodik für jedermann hörbar unterscheiden. Sie werden durch die Namen Schönberg, Hauer und Steinbauer repräsentiert.

Geprägt durch das stark voneinander abweichende Zwölftondenken seiner Lehrer Arnold Schönberg (Zwölftontechnik) und Josef Matthias Hauer (Tropen, Zwölftonspiel), schuf der Wiener Komponist Othmar Steinbauer (1895-1962) eine weitere eigene Gattung zwölftöniger Musik, welche vor allem durch ihre Harmonie besticht: die Klangreihenmusik.

Als musiktheoretische Grundlage dient ihm die von ihm entwickelte "Klangreihenlehre", eine lehrbare (zwölftönige) Satzlehre im Rang von Kontrapunkt oder Harmonielehre. Mit Recht spricht der österreichische Musikpublizist und Autor einer Hauer-Monographie, Walter Szmolyan, von "drei Wiener Zwölftonschulen".

Wer der Klangreihenmusik hörend begegnen will, dem wird über die Internetseite Werkeinspielungen im Internet die Möglichkeit dazu geboten.

Für einen ersten Eindruck würde sich etwa folgende, im Internet anklickbare Hörauswahl empfehlen:

 


Man sagt, das Gute setze sich von selbst durch, und so ist zu hoffen, daß sich allmählich die Zahl der Ignoranten verringert und der Klangreihenmusik eine Hör-Chance gegeben wird, denn erst durch tatsächliches Anhören erschließt sich ihr wahrer Wert.

Musik ist eine Macht und besitzt menschenformende Kraft. Das hat auch Napoleon erkannt, als er sagte: "Die Musik hat von allen Künsten den tiefsten Einfluß auf das Gemüt. Ein Gesetzgeber sollte sie deshalb am meisten unterstützen."

Gibt man dem Menschen den Glauben wieder, daß zeitgenössische Musik voll Harmonie und Klangschönheit sein kann, dann wird Zukunft geschaffen, und diesem Anliegen möge der vorliegende Hinweis dienen.






Johann Sengstschmid





Weiterführende Informationen in Wort und Ton:
 


Links
Klangreihenmusik (Links)
Klangreihenmusik (Gesamtüberblick)
Die 3 Wiener Zwölftonschulen (Gegenüberstellung)
Die 3 Wiener Zwölftonschulen in je einem Hörbeispiel
Einführung in die Klangreihenmusik
Eigenschaften der Klangreihenmusik

Klangreihenmusik: Musik mit neuer "Antriebskraft"

Elemente der Renaissance- und Barockmusik in der Klangreihenmusik

Allgemeines zur Klangreihen-Kompositionstechnik
Werkeinspielungen von Klangreihenmusik im Internet (Klangreihenmusik)
Neuevangelisierung und Musik
Othmar Steinbauers Leben und Werk in Wort und Ton
Johann Sengstschmids Leben und Werk in Wort und Ton
Wiedergabe von Noten (Verzeichnis)
Blätter aus dem Theorieskriptum (Verzeichnis)

Fachbegriffe (alphabetisches Stichwortverzeichnis)
www.klangreihenmusik.at